Professionelles Singen

BETRACHTUNGEN über das PROFESSIONELLE SINGEN

von Liedern, Opern, Operetten und Musicals
vom 18. bis zum 21. Jahrhundert aus dem europäischen Kulturraum

Warum singen die Menschen?

  • Was bedeutet Singen für die Sänger?
  • Was bedeutet Singen für die Zuhörer?

1. Historische Entwicklung des professionellen Singens und Unterrichtes in Europa

o Antike ab 500 vor Christus: Griechen, Römer
o Mittelalter bis zum 15. Jahrhundert nach Christus
o Renaissance 15. und 16. Jahrhundert nach Christus
o Barock, 16. und 17. Jahrhundert nach Christus
o 18. und 19. Jahrhundert nach Christus
o Richard Wagner und die Folgen
o Neue Anforderungen durch die Musik des 20. Jahrhunderts

2. Voraussetzungen für professionelles Singen

o geistig
o körperlich
o soziales Umfeld
o Möglichkeiten für die (professionelle) Verwirklichung

3. Was bedeutet professionelles Singen?

o geistig
o körperlich
o im sozialen Umfeld
o welche Möglichkeiten der professionellen Verwirklichung gibt es?

4. Voraussetzungen für die besondere Ausbildung der Stimme selbst:

o musikalisches Talent
o Freude (Glücksgefühl!) beim Singen
o Wille, sich den Zuhörern mit Text und Musik glaubhaft mitteilen zu wollen
o wohlklingende Stimme
o Fleiß
o musikalische Grundausbildung
o Erlernen eines Instruments, am Besten Klavier
o Bereitschaft, mit Studienbeginn außer der Muttersprache zumindest Italienisch, Deutsch und Französisch auf hohem Niveau zu erlernen
o gute körperliche Grundkondition von Lunge und Herz
o robuste Gesundheit
o unbedingter Wille und Geduld

5. Die professionelle Gesangstechnik nach der Methode des italienischen Belcanto

o Warum erforderlich?
o Wie funktioniert sie?

6. Warum Belcanto Gesangstechnik?

o sehr große Atemdauer (langer Atem)
o große Agilität
o gut geführtes Legato
o einwandfreie Aussprache und
o gleichen Stimmklang (Stimmfarbe) in allen Registern nach europäischem Geschmack
o universelle Programm- und Rollenauswahl

7. Wie ist die Belcanto Gesangstechnik erlernbar?

o Grundsätzliches Wissen über Funktion und Zusammenwirken:

  • der Atemmuskulatur (aktiv und passiv) insgesamt
  • besonders des Zwerchfells (nur beim Einatmen aktiv, beim Ausatmen passiv)
  • der Lenden-, Brust- und Zwischenrippenmuskulatur
  • der Körperhaltung beim Singen
  • des Vokaltraktes

o Bereitschaft zum körperlichen Training beim Einatmen und bei der Tonbildung durch geeignete technische Übungen mit einer Dauer von 2 Studienjahren (4 – 6 Semester).
o Unterricht durch Gesangslehrer/innen, die/der selbst in Hauptrollen auf der Bühne gestanden sind und den Beruf ausgeübt haben.
o Ohne Privatlehrer/in, der/die sich intensiv dem Studenten widmen kann, sind nur sehr schwer Fortschritte erzielbar.

8. Grundlagen der Belcanto Gesangstechnik

Die professionelle Gesangsstimme sollte man sich, stark vereinfacht, als „SAITENINSTRUMENT MIT LUFTANTRIEB“ (© Autor) vorstellen, das heißt:
als RESONANZKÖRPER, der sein Volumen beim Singen trotz Luftverbrauch für die Tongebung möglichst nicht verändert, damit wird das „Squillo“ (Durchschlagskraft), der „Sängerformat“ (maximale Energie in einem bestimmten Frequenzbereich) auch in großen Räumen und bei großen Orchesterbesetzungen) erreicht!

8.1. Durch das richtige Einatmen werden das Zwerchfell („appogiare“, besser auf Italienisch “anlehnen“, auf Deutsch weniger gut: “Stütze“ genannt) und der Kehlkopf, in die unterste Position gebracht („den Kehlkopf hinunteratmen“) und möglichst unten gehalten (also wie ein Stimmstock bei einem Saiteninstrument, z. B. Cello)

8.2. Durch das gleichzeitige Einstellen des „Ansatzrohres“, also der eigentlichen Tongebung oberhalb des Kehlkopfes, beim Einatmen (einer Stellung, wie sie etwa der beim Gähnen entspricht), wird eine Ausgangsposition erreicht, die einen möglichst konstanten Atemstrom mit geringem Druck durch den Kehlkopf fließen lässt.

8.3. Das richtige Einatmen, bei dem der Brustkorb aber nicht überdehnt werden soll, erfordert also ein anhaltendes „Reset“.

o ständiges Offenhalten des Brustkorbs während einer Gesangsphrase,
o ständige Korrektur der Position des Kehlkopfes (Absenken nach geschlossenen Vokalen wie „i“ und „u“ zu offenen Vokalen wie „a“)
o ständige Kontrolle der Gähnposition des Ansatzrohres
Einatmen nur in den vom Sänger/in offengehaltenem Brustkorb (Kann durch Hecheln kontrolliert werden, bei dem sich die Brust-Rippenmuskulatur nicht bewegen darf)

8.4. Durch das richtige Einatmen, Einstellen des Zwerchfells und des Ansatzrohrs, wird minimaler Luftverbrauch, wird

o ein andauerndes Legato bewirkt, wie es zur Bewältigung vor allem der italienischen Literatur unumgänglich ist und
o die Tonschönheit und die „Farben“ der Vokale und Konsonanten in den verschiedenen Sprachen steuerbar macht

8.5. Durch die Vorgänge nach Pos. 8.4. wird auch das „Passagio“, der Wechsel zwischen Brust und Kopfstimm-Muskel leichter erlernbar.

8.6. Der Bruststimm-Muskel ist in der Farbe dunkler, der Kopfstimm-Muskel heller

Das Ziel muss es also sein, die Stimmfarbe auch im untersten Stimmbereich hell zu halten
o Damit wird das „Passagio“ mit kleinster Änderung der Stimmfarbe bewältigt
o Das bedeutet, dass die körperliche Haltung der höchsten Lage auch in der tiefsten immer gleichgehalten werden muss

9. Was bringt das professionelle Singen mit der Belcanto Technik im Beruf, in der Praxis?

o Ein Berufs-Sänger/Sängerin muss möglichst zumindest 30 Jahre auf der Bühne singen können, ohne Schaden an der Stimme zu erleiden. 
Beispiele: Joan Sutherland, Editha Gruberova, Placido Domingo

o Ein Berufs-Sänger/Sängerin muss während der ganzen Karriere möglichst auch fachübergreifend singen können, d. h. von lyrischen bis zu jugendlich dramatischen Partien. 
Beispiel: Nicolai Gedda, Tenor; Placido Domingo (Tenor) von Mozart bis Richard Wagner

SCHLUSSBEMERKUNG:

Viele junge Studenten stecken sich oft ihre Ziele zu hoch und beginnen ohne Kenntnisse von Gesangstechnik und des „Passagio“ die schwersten Arien aus ihrem Stimmfach zu singen.
Sie singen mit hohem Druck durch das Zwerchfell und pressen den sich Brustmuskel zusammen, vergleichbar mit der Entleerung eines Luftbeutels beim schottischen Dudelsack. Dadurch entsteht auf den Kehlkopf und die Stimmbänder zu hoher Druck (singen sich „leer“, die Brust „bricht ein“), die Stimme klingt gepresst und hat kein natürliches Vibrato.

Charakteristisch dafür ist das Heben des Kopfes bei ansteigender Tonhöhe, verschiedene Stimmfarben in den Lagen und oft zu tiefe Intonationdie mit fortschreitendem Alter immer schlimmer wird und dazu führt, dass die Stimme ab dem 35. max. 40. Lebensjahr nicht mehr einstellbar ist.

Je länger auf diese Weise gesungen wird, umso mehr wird dem professionelle Singen und den Stimmbändern geschadet (Dehnung, etc.). Irreparable Schäden können die Folge sein (die Muskulatur lässt sich nicht mehr „umtrainieren“).

Professioneller Sänger/in werden zu wollen, heißt gut zu überlegen, es ist ein sehr schwerer Beruf, er wird von vielen zu Recht auch als „Hochleistungssport im Stehen“ bezeichnet!

FÜR VIELE, AUCH FÜR MICH, IST ES DER TRAUMBERUF!!

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Copyright©Prof. Ernst Lintner